VON DER INSEL DER GÖTTER ZU DEN DRACHEN

Drei Meter lang und bis zu 140 kg schwer sind die Reptilien, die erst verhältnismäßig spät von einem niederländischen Infanterieleutnant im damaligen Niederländisch-Ostindien entdeckt wurden. Die Nachricht, dass auf dem Eiland Komodo bis zu sieben Meter lange Monsterechsen leben, hatte er im Jahr 1910 von zwei niederländischen Perlenfischern erhalten. Er suchte nach ihnen und fand auch stattliche Echsen, jedoch keine Ungetüme von sieben Meter Länge. Doch handelte es sich um eine für die Wissenschaft neue Waranart und ihnen wurde der wissenschaftliche Name Varanus Komodoensis gegeben. Diese Drachen leben nur auf den indonesischen Inseln Komodo, Rinca und Gili Motang. Mit modernen Mountainbikes ausgestattet sollte die Insel Rinca unser Ziel bei der Reise in die Urzeit sein.

Insel Lombok
Auf dem Weg zu diesen Ungeheuern erreichen wir die kleine Schwester der bekannteren Insel Bali noch am Nachmittag mit der Fähre aus dem schönen Fischerdorf Padang Bai an der Südküste der Götterinsel über die Lombok-Straße, deren Rinne über 300 m Tiefe erreicht. In Lombok genießen wir die Ursprünglichkeit und Gelassenheit der Bewohner. Die altmalaiischen Sasak sind die Ureinwohner, doch die Minderheit der geschäftstüchtigen Chinesen bilden den bestimmenden Wirtschaftsfaktor in Mataram und Ampenan. Hier nehmen wir auch den ersten kalten Drink in einem der vielen kleinen Läden, die sich aneinander reihen. Keine 10 Minuten später schwingen wir uns wieder auf die gewohnten Sättel und rauschen vorbei an den bunten Pferdekutschen, die hauptsächlich der Personenbeförderung dienen, bis wir schließlich am Strand von Senggigi landen.Von hier aus beobachten wir den faszinierenden Bilderbuchsonnenuntergang hinter der jenseits der Lombok-Straße in den Himmel ragenden Silhouette des Vulkans Gunung Agung ( 3142m ), bei einem verdienten kühlen Bintang*.

Südseefeeling
Von Weitem sind sie schon zu erblicken, die 3 Inseln Gili Trawangan, Gili Meno und Gili Air. Wie Spiegeleier liegen sie im glänzenden Licht des schillernden Ozeans und wir nehmen mit unseren Stollenreifen Kurs auf die tropische Strandidylle. Auf einer gut ausgebauten Asphaltroad, die sich in einem Auf und Ab an der Küste entlang zieht, können wir oft die faszinierende Aussicht auf palmenübersäte Buchten und den blauen Ozean unbeschwert genießen. Die heißgelaufenen Waden kühlen wir nach einigen Kilometern bei einer Pause in den klaren Wellen der Bali Sea. Eine Banane als Powerriegel gibt uns wieder den nötigen Schwung, so erreichen wir den kleinen Hafen gegenüber der Inselgruppe schon gegen Mittag und ein Boot bringt uns für fast einen Tag zu unserem Traumziel mit schneeweißen Stränden. Nach dem Schnorchelausflug haben wir in einem der vielen netten kleinen Restaurants die Gelegenheit die indonesische Küche auszuprobieren. Neben jeder Art von frischem Fisch gibt es gebratenen Reis oder gebratene Nudeln, natürlich auch die leckeren Sate-Spieße mit Hühner-, Schweine- oder Ziegenfleisch oder eine Seefruchtplatte . Zum Abschluss eines gelungenen Tages haben wir noch Gelegenheit den Reggae-Klängen von Bob Marley & Co. in einer kleinen Bar zu lauschen.

      


Zu Gast im Dschungel
Nicht einmal 15 Kilometer von den heutigen 65 haben wir geschafft, schon "droht" am Straßenrand die nächste Auszeit. Die exotischen Klänge einer traditionellen "Band" zwingen uns förmlich ein paar Minuten bei diesen ungewohnten Klängen zu verweilen. Sie sind auf dem Weg zu einer Hochzeitsfete mitten in den Urwald und trommeln Gäste zusammen, erklären sie uns lautstark während die Musik unaufhörlich dröhnt und wir sollen ihnen doch Gesellschaft leisten……Nun, wir sind für alles offen, haben genickt, was so viel heißen sollte, dass wir die Einladung gerne annehmen. Wir staunen nicht schlecht, als unsere geliebten Bikes plötzlich auf einen Truck gelandet sind. Neben den 14 Musikanten, Pauken, Trommeln und Verstärkern hatten auch wir noch Platz auf der Ladefläche……
Die atemberaubende Fahrt durch teilweise dichten Dschungel in Richtung Berge auf immer schmaler werdender Fahrbahn hatten auch die Bikes gut überstanden…..Wir waren vor Allem gespannt, wer und was uns hier im "Busch" erwartet! Die Verstärkeranlage wurde zuerst durch die Mangoplantage den Hang hinauf geschoben, wir folgten dann recht unsicher dem Rest der Musikanten, staunten aber nicht schlecht als wir auf das mit Palmwedeln festlich dekorierte Grundstück blickten. Jedenfalls waren wir herzlich willkommen, mit Getränken, Obst und kleinen Köstlichkeiten wurden wir reichlich versorgt. Eins war uns klar, wir konnten dem Zauber dieser fröhlichen Menschen nicht gleich entfliehen.
Doch, wenn es am schönsten ist, sollte man gehen sagten wir uns und nach ein paar gelungenen Tanzeinlagen, bei denen selbst die Eingeborenen ins Staunen geraten sind, rollen wir schließlich wieder bergab bis zur "Mainroad" und nehmen die restlichen 50 Kilometer bis zum heutigen Tagesziel in Angriff. Eins steht fest, nicht nur wir hatten unsere Freude an dieser Begegnung mit der fremden Welt!

Vorschlag angenommen
Roland & Toni, die deutschen Besitzer eines Grundstückes mit Campingplatz am Hang des Vulkans Rinjani hat uns schon vermisst und ist ein Stück entgegengekommen. Per Kleinbus werden wir bis in das Camp gebracht. Nun sitzen wir wie gebannt beim Sonnenuntergang auf der Terrasse unter einem Grasdach und betrachten die immer länger werdenden Schatten der umliegenden Reisterrassen. Bei Fischfilet mit Kartoffelpüree und grünen Bohnen mit Speck besprechen wir den Tagesablauf des nächsten Tages, da die geplante Trekkingtour zum Rinjani wegen zu großer Aktivität des Vulkans ausfallen muss. Der Vorschlag, eine Tour zu einem nahe gelegenen Wasserfall mit Tarzan-Kulisse zu machen, findet unsere Zustimmung und wir gehen am nächsten Morgen nach dem Frühstück durch Reisfelder, Regenwald und Bambusdschungel zum Duschen der Superlative. Gewaltige Wassermengen stürzen hier vom Himmel herab in ein immergrünes Oval der exotischen Pflanzenwelt. Atemberaubend! Wir nehmen ein Bad in einem Swimmingpool mit Gänsehautfeeling……..
Auf dem Heimweg gehen wir noch durch unterirdische Wasserläufe "channeln" und sind uns einig, dies war nicht nur ein Alternativausflug, sondern ein echtes Highlight ganz besonderer Art.

Ab in die Berge
Wir verlassen die Kulisse der von Reisterrassen umrahmten Inselwelt mit unseren Pneus und fahren weiter durch immer selten werdende Dörfer dem Hochland von Sembalun entgegen. Nach den bisherigen Flachlandetappen kommt nun die erste echte Herausforderung.
Noch können wir uns an den riesigen Weihnachtssterngewächsen, die links und rechts am Wegesrand stehen, erfreuen, doch acht Kilometer vorm Ziel, als jeder schon vom Essen und einem kaltem Bier träumt, tropft der Schweiß und die Kräfte schwinden. Auch der frische Saft aus der Kokosnuss bringt die Beinmuskulatur nicht mehr in Schwung. Also nehmen wir den Transport per Kleintransporter bis zum Hotel gerne in Kauf und lockern die Beine bei einem Spaziergang in den sehenswerten Bambusgarten dieser gewaltigen Hochlandebene noch etwas aus. Wenig später bricht schon die Dunkelheit herein und es wird kühl. Selbst das Bier ist bei mehr als 1000 Meter über Null kalt genug ohne es im Kühlschrank zu lagern!
Gestärkt vom Hopfensaft des vergangenen Abends und vom Bananen-Pancake zum Frühstück nehmen wir den "Kampf" mit den Bergen wieder auf. Die Hochebene präsentiert sich geisterhaft in einem Hauch von Morgendunst, rings um uns Zweitausender. Zum Aufwärmen sind die ersten 5 Kilometer flach entlang Erdbeer-, Gemüse- und Zwiebelplantagen gerade recht, doch dann ist in den Serpentinen wieder der "GIGI SATU", wörtlich aus dem Indonesischen übersetzt, "ZAHN EINS", gefragt!
Die Freude über das Erreichen des in 1500 m gelegenen Sattels und das Panorama der umliegenden Bergspitzen lassen die Schmerzen am Berg vergessen. Mit stolzgeschwellter Brust treten wir in die Pedale, denn von nun an geht es durch die atemberaubende Natur vom üppigen Bergregenwald über saftige Bananenplantagen und leuchtend grüne Reisterrassen nur bergab, bergab, bergab…...
In Windeseile landen wir im bunten Treiben zwischen Pferdekutschen und Marktfrauen auf einem den schönsten Märkte Lomboks. Neugierig betrachten wir den emsigen Handel, die bunte Mischung aus tropischen Früchten, exotischen Gewürzen, frischem Gemüse und getrockneten Kräutern. Es riecht nach Tabak und stinkt nach Trockenfisch, duftet nach Zimt und riecht übel nach Durian, auch als die "Stinkfrucht" bekannt.
Wir feilschen um ein paar reife Bananen, saftige Ananas und süße Papayas, die wir gleich mit an Bord bringen möchten, denn ab jetzt nehmen wir mit einem Piratenschiff Kurs auf die östlichen Sundainseln.

Inseltraum
Das Juwel von Moyo soll nur 5 Kilometer von unserem Ankerplatz entfernt sein und wir wollen es uns nicht nehmen lassen sein Leuchten zu sehen, bringen also die Bikes an Land und holpern vorbei an riesigen Farnen, kleinen und großen Urwaldriesen bis wir ein Rauschen hören. Unter schattigen Bäumen entdecken wir nun dieses kleine Paradies geformt aus weißem Kalk, der sich über Jahre terrassenförmig abgesetzt hat. Die perfekte Kulisse hier das Dschungelbuch zu drehen verleitet förmlich zu einem Bad im glasklaren türkisblauen Wasser und so radeln wir erfrischt vom kühlen Nass unterm Urwalddach wieder zurück über die festgefahrene Sandpiste bis ins nahe gelegene Dorf. Vom Inselflair fasziniert schieben wir unseren modernen 27-Gang "Drahtesel" durch die engen Gassen, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Kinder verfolgen uns und bestaunen neugierig die Bikes und jeden unserer Schritte, wir fühlen uns wie aus einer anderen Welt und fragen uns, was in diesen niedlichen kleinen Köpfen wohl jetzt vorgehen muss.

Beeindruckende Naturgewalt
Das Dingi bringt uns und die Bikes zurück an Bord der "Al Isra" und wir schippern auf den Wellen des glänzenden Ozeans dahin in Richtung Insel Satonda, einem versunkenen Vulkan. Hier gehen wir vor Anker, einige wilde Affen nehmen Reißaus, hangeln in den dichten Wald als wir die Insel betreten. Es ist still, kein Mensch außer uns ist hier auf dieser unbewohnten Insel. Am Ufer des Salzsees, im inneren der Insel, steht der "Wunschbaum" und wir hängen, dem Brauch entsprechend, mit einem dünnen Faden unsere am Strand gefundenen Korallen in die vielen Zweige. Nun dürften all unsere Träume in Erfüllung gehen……..

Nun, diese haben wir im Moment nicht, denn wir leben in einem Traum und die Schiffsreise entlang des Tambora-Massivs an der Nordküste Sumbawas geht weiter.
Der Tambora ist nur einer von diesen 129 aktiven Vulkanen, die zum Inselreich Indonesien gehören aber sein Ausbruch 1815 war wohl der größte bekannte Ausbruch auf unserer Welt während historischer Zeiten. Große Teile der Insel Sumbawa verschwanden unter einer 1,5 m hohen Ascheschicht, fast alle Inselbewohner kamen ums Leben und ein Jahr später verzeichnete Europa "das Jahr ohne Sommer".
Obwohl der Riese seit dem letzten Ausbruch 1967 scheinbar schläft, haben wir gebührend Respekt vor diesem Ungeheuer und unser Kapitän Burman steuert das Schiff weiträumig vorbei.
Während Josep, unser Koch an Bord, ein Dinner zaubert…., heute soll es Ananas-Curry geben….., blicken wir vom Sonnendeck auf diese atemberaubende Kulisse und haben ausreichend Gelegenheit gekühlte Getränke zu genießen.

Hello Misterrrr.....
Die Morgensonne scheint in den kleinen Hafen, einige Fischer kommen in ihren typischen Auslegebooten mit mehr oder weniger vollen Netzen bereits zurück vom nächtlichen Fischfang. Mit dem Boot bringen wir unsere Velos an den schmalen Steg, an dem die Kinder ihre Holzangel oder auch nur einen Strick zum Fischen ausgeworfen haben. Sie staunen über die Neuankömmlinge und vergessen in diesem Augenblick ganz und gar ihre Köder zu beobachten. Unterdessen gehen wir ans Ufer und schauen eine Weile dem bunten Treiben am schwarzen Strand zu. Die Dorfbewohner interessieren sich für uns, es scheint, als sind wir die ersten Touristen, die mit Velos den Beach "erobert" haben.
Die Holzhäuser entlang der Offroad-Piste sind auf Stelzen gebaut, Glasscheiben gibt es nur wenige in den Fenstern, diese werden abends mit den hölzernen Fensterläden "dicht" gemacht und unter den schattenspendenden Bäumen parken mehr Wasserbüffel als Mopeds, Autos gibt es hier keine.
Auf dem Dorfplatz ballern die Nachwuchskicker auf wackelige Bambustore, doch auch sie vergessen Spiel und Gegner für eine Weile, rufen "hello Misterrrr, hello Misterrrr" und reißen vor Begeisterung die Spielfeldumgrenzung fast nieder. Wir verteilen ein paar kleine Gastgeschenke, denn "oleh-oleh" aus Deutschland sind herzlich willkommen also immer eine gelungene Überraschung für Groß und Klein und die Freude kennt keine Grenzen. Viel zu schnell vergehen die 20 Kilometer durch die engen Holperwege der Stelzendörfer und auf der "Al Isra" erwartet uns bereits die Crew mit leckeren Fischspießen zur etwas verspäteten Lunchtime.

Der wilde Osten
Wie Spielzeugboote schweben die Einbäume und Ausleger über das türkisfarbene Wasser und in den Buchten biegen sich die Wedel der Kokospalmen im aufkommenden Wind. Ein letztes Mal bringen wir unsere fahrbaren Untersätze an Land, heute wird der Ostzipfel der Insel "erobert".
Im morgendlichen Schleier erscheint der "Feuerberg", eine kegelförmige unbewohnte Vulkaninsel vor uns. Ihre Einwohner wurden beim letzten Ausbruch des "Gunung Api" 1998 auf das gegenüberliegende Festland evakuiert und nennen ihr Dorf nun nach der verlassenen Insel "Sangiang".
Die 30 Kilometer Küstenweg bis dahin sind gespickt mit kleinen Dörfern, jeder Stopp ruft eine Dorfversammlung hervor und bei der Weiterfahrt werden wir wie bei der Tour de France angefeuert. Ein paar Kinder begleiten uns eine Zeit lang mit ihren fahrbaren Untersätzen bis ihnen der Atem ausgeht. Bei unserer Ankunft im kleinen Örtchen Sangiang werden wir abermals von bestaunt. Das Fischerdorf am Ende der Welt mausert sich, nun gibt es neben dem traditionellen Schiffsbau auch schon eine Beachbar, nicht so luxeriös aber immerhin. Umringt von einigen Neugierigen begnügen wir uns mit lauwarmer Cola oder Sprite, Bier gibt es hier in diesem abgelegenen Zipfel nicht und schon gar kein kaltes………. Wir können uns aber glücklich schätzen, denn ein paar hundert Meter entfernt sichten wir im blauen Ozean schon unseren Zweimaster, da dürften die Getränke bereits gekühlt sein und es dauert keine fünfzehn Minuten bis wir von Matt und Moul mit dem Boot abgeholt werden.
Während wir auf die Insel Banta zusteuern, und ein kaltes Bier geniessen, bahnt sich ein grandioser Sonnenuntergang über dem "Feuerberg" (Gunung Api 1950 m) an. Vom Sonnendeck blicken wir gespannt auf den sich senkenden Sonnenball und halten die Kameras im Anschlag. Wie bestellt, so fährt auch noch ein traditionelles Fischerboot in die glutrot schimmernden Wellen, jetzt ist das Hintergrundbild für den PC perfekt! Nach Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Inselchen Lawadarat und ankern unseren Pininsi-Schoner über die Nacht in einer kleinen Bucht gegenüber der Insel Komodo.
Der Mond hängt wie eine überdimensionale Sichel über die mit hohem Gras bewachsenen Hügel, unglaublich klar ist der Himmel in dieser sternklaren Nacht und wir beschließen diese auf dem Sonnendeck unterm Himmelszelt zu verbringen.
Rasch ein T-Shirt übergestreift, so stapfen wir nach dem Sonnenaufgang auf den nahen Berg des kleinen Inselchens, atemberaubend ist die Vogelperspektive auf die schillernde Bucht, das Wasser rings um unser Schiff ist kristallklar. Ein Seeadler zieht unter uns seine Kreise, hält Ausschau nach frischer Beute, die es hier reichlich gibt, wie wir anschließend beim Schnorcheln feststellen. Stundenlang könnten wir dieses bunte Durcheinander unter Wasser beobachten, diese Vielfalt der Korallen und farbenprächtigen Fische lässt sich einfach nicht beschreiben, doch die Fahrt im Archipel der kleinen Sunda-Inseln geht dem Höhepunkt entgegen und wir klettern wieder an Deck.

Das perfekte Finale
Ihre Taktik ist der Hinterhalt, ihre Zähne sind messerscharf, ihr Speichel trägt tödliche Bakterien: Komodo-Warane vertilgen alles was ihnen über den Weg läuft: Hirsche, Wildschweine und selbst Wasserbüffel sind nicht zu groß für sie. So betreten wir die kleine Dracheninsel Rinca gebührend und respektvoll, denn hier sollen noch 1300 dieser seltenen urzeitlichen Echsen leben. Wir wollen nicht zum Leckerbissen der Woche gehören, so folgen wir einem Ranger, der mit vorgehaltener Astgabel die Tierchen auf Distanz halten kann, zum Drachen-Watching auf einem der vielen Schleichwege über die Trockensavanne.
Sie sehen nicht besonders schön aus, die größten Echsen der Welt und machen einen gelangweilten Eindruck, scheinen also schon gefrühstückt zu haben, strecken uns nur die gespaltene Zunge entgegen. Doch mit dieser langen Zunge nehmen sie Witterung auf, riechen damit Blut über mehrere Kilometer, erklärt uns der Wildhüter und hält dem Ungetüm die Stange wie ein Drachentöter entgegen. Nimmt der Waran jedoch Angriffsstellung ein, kann er blitzschnell eine Geschwindigkeit bis zu 30 Kilometer pro Stunde aufnehmen und das über mehrere hundert Meter….! Deshalb legen wir besser keinen Wert auf irgendwelche Konfrontation, geben uns mit ein paar Fotos zufrieden und gehen den gigantischen Ungeheuern langsam aus dem Weg. Unser Blick schweift ständig über die trockenen Hügel, suchend nach diesen urzeitlichen Gesellen, denn sie verbergen sich oft im Hochgras an einer günstigen Stelle und warten dort geduldig, oft tagelang, bis ein mögliches Opfer in ihre Nähe kommt……..
Schon wieder blinzelt ein Augenpaar übers dichte Gras und es schiebt sich ein fast 3 Meter langer Waran mit zischelnder Zunge auf den Wildhüter zu, wir reißen die Kameras hoch und schießen, mit etwas Gänsehaut über dem Rücken, die nächsten Fotos um diese Begegnung mit einem Tier, das aus weit zurückliegenden Erdzeitaltern zu stammen scheint, gepicselt festzuhalten.
Der Komodo-Waran gehört zu den wohl faszinierendsten und größten Reptilien dieser Erde, erinnert an einen Raubsaurier und wird deshalb auch "der letzte Drachen" genannt.

Von Loh Buaya fahren wir weiter mit der "Al Isra" auf den blau schimmernden Wellen der Flores Sea dem Hafen von Labuan Bajo entgegen und unsere Reise in die urzeitliche Welt gehört somit auch schon der Vergangenheit an.

 

*Bintang: Ein wohlschmeckendes Getränk, im deutschen Volksmund "Bier" genannt, der Name Bintang kommt aus dem Indonesischen und bedeutet "Stern".

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JAVAS VULKANE UND BALI'S GÖTTER


Wir sitzen in gespannter Erwartung in 2500 m Höhe am Kraterrand des Vulkans Ijen im Osten der Insel Java. Die ersten Sonnenstrahlen tauchen in das von 200 m hohen Felswänden umgebene tiefe Loch des erloschenen Kraters ein. Zerrissene Dampfschwaden kräuseln sich gespenstisch auf einer grünlichblauen Wasserfläche und wir haben den Eindruck vor einem gigantischen Giftkessel einer überdimensionalen Hexenküche zu stehen. Unter uns brodelt und zischt es. Schwefeldämpfe aus dem Erdinneren ziehen durch die klare Luft.
Blicken wir zur anderen Seite in Richtung Osten, erscheint die exotische Insel Bali wie ein Kegel aus dem schillernden Ozean - die Insel der Götter und Dämonen - dort wo unsere Erlebnisreise begann......

Vor zehn Tagen setzten wir unsere Stollenreifen zum ersten Mal auf die "Perle" im Indischen Ozean. Bali, eine Insel, die zum größten Inselreich der Welt zählt und immer noch voller Überraschungen ist, wird von einer dichten Vulkankette durchzogen. Sie gehört zu den facettenreichsten Inseln und , so sagen die Balinesen, durch ihre Pracht sei sie sogar vom Mond aus zu sehen.........

Die ersten beiden Etappen auf dieser so geheimnisvollen Insel führten uns zu einer tropische Schlucht. Tief unten ein Fluß, angeblich der " Ayung River". Wir überqueren den größten Fluß Balis auf einer Hängebücke und folgen nun einem schmalen Pfad inmitten der saftig grünen Reisterrassen. Die Landschaft strahlt eine unglaubliche Harmonie aus. Ein geniales Bewässerungssystem durchzieht die Inselsüdseite und wir lauschen dem beruhigenden Plätschern des Wassers. Einige hundert Meter weiter sind die Reisbauern mit dem Dreschen des Korns auf "klassische" Art schwer beschäftigt. Sie erzählen uns , daß der Reis in Bali besonders gut gedeiht und es bis zu 3 Ernten pro Jahr gibt. Ein kleiner Reistempel gleich am Rand der Terrassen, überfüllt mit Opfergaben, soll die Ursache dafür sein. Er ist der Reisgöttin "Dewi Sri" gewidmet und wird von den Reisbauern ganz besonders verehrt.

Wir schwingen uns wieder auf die Sättel, folgen den Bewässerungsgräben , den Adern Balis, und lauschen dem beruhigenden Spiel des Wassers...."Anda mau kelepa "?, tönt es plötzlich aus dem Kokosnußwald......, "du wollen Kokosnuß"? "Satu 10.000 Rupia"..... , eine für 10.000 Rupien? Zu viel, wir müssen handeln.....und schließlich gibt`s den frisch gepflückten Tropengenuß zum Preis von 3.000 Rupien (30 Cent). Wir genießen die frische Kokosmilch im Schatten der Kokospalmen und löffeln das weiche weiße Fruchtfleisch aus der harten Schale. Mit viel mehr Power läßt sich der Rest der heutigen Tour durch die grandiose Landschaft in der Nähe des Künstlerstädtchens Ubud zurücklegen. ............

Ein Duft von Fragipaniblüten gemischt mit dem Geruch frischer Gewürznelken, die der Sonne zum Trocknen ausgesetzt sind, zieht durch unsere Nasen. Wir umkreisen die auf Plastikplanen gelegten schon fast trockenen Reiskörner schwungvoll mit unseren Pneus. Auch die feurig roten Chilis läßt man nach dem Pflücken von der Sonne trocknen .Das Hochland ist sehr fruchtbar. Hier wächst und gedeiht außerdem noch Kaffee, Kakao, Vanille, Ananas und eine Vielzahl von tropischen Früchten.
Die Straße, eine Mischung aus Asphalt und Schotter, wird zur großen Caldera des Vulkans Batur immer steiler. Uns ist nach einer tropischen Erfrischung zumute und wir finden sie in Form einer großen grünen Frucht an einem der vielen Obststände.
Mit unseren Englischkenntnissen ist nicht viel zu machen. Hier oben , weit weg von den Tourizentren Balis heißt es "apa ini"?....was ist das?....und mit einem freundlichen Lächeln bekommt man prompt die Antwort...."sirsak", auf deutsch "Stachelannone", o.k., "lima potong" - fünf Stück.
Wahrscheinlich kann die nette dunkelhäutige Verkäuferin schon aus unseren Gesichtern lesen, daß wir nicht wissen, was wir mit diesem Tropengenuß anfangen sollen. Doch mit einem Schmunzeln zeigt sie uns auch noch das Geheimnis des Öffnens dieser exotischen Frucht.

Nach dieser köstlichen Zwischenmahlzeit legen wir die Ketten auf die großen Ritzel und klettern hinauf zur großen Caldera des "Gunung Batur".
Vor 78 Jahren ist dieses Ungeheuer zum letzten Mal ausgebrochen, dabei wurden 60.000 Häuser dem Erdboden gleich gemacht . Inzwischen ist es wieder etwas ruhiger um diesen Vulkan geworden. 1998 versetzte er noch einmal mit einer kleinen Eruption die Bewohner der Dörfer Kolombo, Pura Yati und Songan in Angst und Schrecken. Heute erkennen wir aus sicherer Entfernung, wie vereinzelt die Schwefelwölkchen aus dem "jungen" Krater gen Himmel ziehen.
Wir aber verabschieden uns mit einem kleinen Downhill vom Rand des "Batur" und blicken schon auf das nächste Gebirgsmassiv rund um den "Muschelberg" Batukaru. Einige kleine und größere tropische Schluchten meistern wir dank unserer High-End Bikes, mit Leichtigkeit. Erstaunt und etwas neidisch zugleich beobachten uns die einheimischen Radler, die ihre "Drahtesel" zweckendfremdet als Transportmittel für Kokosnüsse über die hügelige Landschaft schieben.
Inzwischen rollen wir hoch über dem Lake "Buyan" entlang eines alten Lavastromes und genießen noch einmal die Aussicht aus 1200 m Höhe auf den Indischen Ozean. Schön wellig ist das Gelände bis zum Ende des dritten Vulkansees "Tamblingan". Dann beginnt der fast endlose Downhill über 30 km.
Doch bevor die Bremsen zu glühen beginnen, ertönt der schrille Klang eines Gamelan- Orchesters aus dem dichten Grün der Bananenstauden.
Die Räder schnell an den Stamm einer mächtigen Kokospalme gelehnt, dringen wir in einer Mischung aus Neugier und gespannter Erwartung, in das Dickicht ein.
Dabei stellen sich unsere "Beinkleider" aus Lycra als völlig falsch heraus. Man trägt hier nur kostbare Sarongs aus Seide und Baumwollgemisch! Wir sind bei einer Hindu-Hochzeit gelandet!... Doch selbst unsere "falsche" Bekleidungsordnung hält die aufgebrachte Gesellschaft nicht davon ab, uns zu einem "Copi Bali" einzuladen.
Man führt uns zu einer Art Tempel. Der Priester, eine hagere und sehr markante Gestalt, beträufelt das Brautpaar unter den Gesängen der Hindus mit heiligem Wasser. Die Verschlüsse unserer Kameras klicken. Wir sind begeistert und gerührt zugleich....
Gefesselt durch diese farbenfreudige Zeremonie verlieren wir das Zeitgefühl und merken erst viel zu spät, daß die Sonne schon tief über der Insel Java steht. Bevor sie aber im glühenden Rot hinter dem mächtigen Vulkan "Ijen" versinkt, haben wir unser Ziel im "Menjangan" Nationalpark erreicht.

Für die nächsten zwei Tage lassen wir die Seele etwas baumeln, verarbeiten Eindrücke und erleben die bunte Unterwasserwelt rund um eine vorgelagerte Koralleninsel.

Gut erholt schippern wir nun mit der Fähre über die reichlich zwei Kilometer breite "Bali Stait". Ein frischer Wind schwirrt um die Ohren und einige Delphine begleiten uns auf der kurzen Überfahrt auf die Insel Java, das Herz des Archipels. Nicht weniger als 121 Vulkane reihen sich auf dieser Insel zwischen Serang im Westen und Banyuwangi im Osten aneinander. 27 von ihnen sind noch aktiv, doch nur einer soll unser Ziel sein!
Die ersten Kilometer zieht sich der Asphalt durch Zuckerrohr, die Steigung ist nur gering. Wir passieren zwei, drei Städtchen und "tanken" noch einmal Flüssigkeit. Zwei Männer begutachten unsere leichten "Alu-Rösser". Sie fragen "ke mana", wohin? Wir zeigen bergwärts und sagen "kawa Ijen"...Sie schauen uns fragend an, "bagus" ist die Antwort und wir sitzen auf..... Keiner hier kann verstehen, daß man diesen Berg mit dem Bike bezwingen will! Ja, die meisten Locals waren noch nie dort oben!
Inzwischen haben wir schon einige Dörfer, Kaffee- und Kautschukplantagen hinter uns gelassen. Hier oben im Hochland gibt es nur noch ein paar wenige Bienenzüchter. Der Bergurwald ist sogar etwas im Nebel verhangen und die Sonne versucht sich nur schwer durchzusetzen. Rechts und links wird die Natur immer wilder. Regenwald breitet sich aus. Die Straße wird immer enger. Rings um uns ein einziges zirpen, summen und schreien. Durch den dichten Wuchs sieht man sehr wenig. Nur selten raschelt es und wilde Affen ergreifen die Flucht auf die Wipfel der Urwaldriesen.
Die Trinkflaschen fast leer erreichen wir den Paß in 1500m Höhe. Der Eingang zum "Ijen"-Nationalpark ist nicht mehr weit. Zum Entspannen unserer Waden gibt`s erst einen 8 Kilometer langen Downhill in`s Hochplateau. Tiger und Leopard sollen hier in den mannshohen Gräsern vor Jahren ihre Beutezüge gemacht haben. Heute ist von diesen seltenen Tieren nichts mehr zu sehen. Sie sind ausgerottet wie im übrigen Teil der Insel Java.

Hier im Basislager erhalten wir Nachschub für unsere trockenen Kehlen und ein vorzügliches "nasi goreng" .Beim Lagerfeuer entfacht sich ein reger Meinungsaustausch in javanisch, indonesisch, englisch und deutsch. Wir sollten morgens bereits um 5 aufstehen um den Sonnenaufgang zu erleben, denn 3 Kilometer und 400 Höhenmeter sind es noch auf fester, sandiger aber steiler Piste bis zum Kraterrand, der berüchtigte "Schwefeltrail".

Jetzt aber haben wir es geschafft! Alles aus eigener Kraft. Keiner von uns mußte schwächelnd in den Begleitbus einsteigen! Wir sind ganz oben und blicken immer noch auf die glitzernde Küstenlinie des Indischen Ozeans, auf die Insel Bali und die umliegenden Vulkane Raung und Merapi. Die aufgehende Sonne sendet ihre warmen Strahlen auf den märchenhaft türkisblauen Kratersee.......

Hinter uns liegt ein tolles Abenteuer und vor uns noch ein gigantischer Downhill über 40 km durch tropischen Bergurwald, Kokos- und Kaffeeplantagen bis an die Küste des Indischen Ozeans.......

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TROPISCHER TURTLE TRAIL

Es grenzt schon an ein Wunder, wie die Meeresschildkröten den Weg zu ihrem Heimatstrand Sukamade finden. Neueste Erkenntnisse besagen, sie navigieren magnetisch. Wir jedoch brauchen schon eine genaue Straßenkarte, sehr viel Abenteuerlust und gute Bikes um an diesen abgelegenen Turtle Beach im Meru Betiri Nationalpark zu kommen.

Von Gilimanuk, dem westlichsten Zipfel der Götterinsel Bali geht die Fähre ständig über die "Bali Strait " zur größeren Nachbarinsel Java. Es sind nur etwa 2 Kilometer Seeweg, doch bei starker Strömung, verursacht durch die Gezeiten, dauert die Überfahrt etwa 1 Stunde bis zum Hafen in Ketapang. Auf der abenteuerlichen Fähre bläst uns ein frischer Wind um Ohren und Nase. Er vertreibt auch die dicken Wolken, die sich am nahe gelegenen Vulkan Ijen sammeln und läßt die Spitze des 2800 m hohen "Gunung Merapi" aus dem Wattebausch ragen.


In Glenmore schwingen wir uns auf die Bikes und folgen einer holprigen schmalen Straße, die uns durch kleine Dörfer führt. Bei der ersten Abzweigung biegen wir rechts in die Kakaoplantagen ein und folgen einem sandigen Trail. Teils Schotter, teils asphaltiert ist der erste Anstieg auf einen Paß und unsere Blicke schweifen über das grüne "Meer" aus Kokospalmen, Kaffee- und Kakaosträuchern bis auf die Berge des Raung-Massivs.
Dann tauchen wir ein in einen üppig grünen Regenwald, nur einige Hornbill-Birds begleiten uns auf diesem 10 km langen Downhill bis zum nächsten Dorf.
- "Hier brennt's" ruft Maria und zeigt auf die Rauchschwaden, die zum blauen Himmel ziehen und sich dort auflösen. Wir lehnen unsere Bikes an die Palmen und gehen neugierig zum nahe gelegenen "Brandherd". Süßlich riechende Düfte steigen auf und wir bemerken ganz schnell, daß es sich nicht um einen "gewöhnlichen" Hausbrand handelt. Viele fleißige Hände sind dabei aus Palmsaft den begehrten Red Sugar zu brauen und heizen ihre Kessel mit trockenem Holz mächtig ein! Abgefüllt wird die heiße klebrige Masse zum Erkalten in Bambusröhrchen. So sind die erkalteten rotbraunen süßen Zylinder reif für die Märkte in Glenmore, Ketapang oder Banyuwangi. Wir kaufen direkt beim "Hersteller" und müssen schon mächtig handeln um fast bei Sonnenuntergang einen "Morning Price" zu erzielen.
Trotz der längeren Kaufverhandlung erreichen wir noch unser Tagesziel, bevor die Sonne hinter der Green Bay verschwindet. Wir schlagen unsere Zelte direkt am Ozean auf und fahren in's nahe gelegene kleine Fischerdorf Rajegwesi. Dort gibt's noch reichlich frischen Fisch und wir haben die Wahl unter einer Vielzahl von Arten. Schließlich entscheiden wir uns für den Red Snapper, der uns ganz besonders angepriesen wird und einem Grillabend unter südlichen Sternen steht nun nichts mehr im Wege.

Von der Green Bay bis nach Sukamade sind es nur noch 20 Kilometer. Nach etwa 4 Kilometern Uphill durch tropische Vegetation bei übelster Pflasterstraße haben wir endlich einen längeren Downhill durch schönsten Urwald vor uns. Wir schlängeln uns vorbei an Lianen, üppigen Farnen und Urwaldriesen. Scheue schwarze Affen und kreischende Vögel beobachten uns aus den Wipfeln des dichten Blätterdaches. In der Tiefebene stellen sich einige klare Flüsse als Hindernis heraus. Brücken gibt es hier nicht, wahrscheinlich würden sie in der Regenzeit den Fluten zum Opfer fallen. Wir nutzen die Gelegenheit um ein erfrischendes Bad zu nehmen.

Die Sonne hat ihren Zenit schon längst überschritten als wir die letzten Kilometer durch Kakaoplantagen fahren, die von den Holländern zur Kolonialzeit einst angelegt wurden. Wir begegnen noch vielen Plantagearbeitern die mit den Bikes auf diesen Traumtrails unterwegs sind. Im Gegensatz zu uns haben sie ihre "Drahtesel" schwer beladen mit Kakaoschoten, Kokosnüssen, Gras oder Brennholz. Manches "Fahrzeug" hat sogar Überbreite, so daß wir auf diesen schmalen Pfaden ausweichen müssen.
Am späten Nachmittag erreichen wir das Basislager Sukamade und werden von den Guides herzlich empfangen, sind wir doch an diesem Tag die einzigen Besucher.

Pünktlich 21 Uhr beginnt unser kurzer Trip zum Turtle Beach. Wir sind voller Erwartung und folgen stumm unseren Guides durch den geheimnisvollen Wald. Nur selten brauchen wir unsere Stirnlampen, denn das weiße Licht des Vollmondes weist uns den Weg. Ab und zu ein Schrei aus dem undurchdringlichen Urwald, in dem noch Wildschweine, Echsen, Affen und viele verschiedene Vogelarten leben. Früher haben hier im "Meru Betiri" Nationalpark Tiger, Leopard und Panther gejagt, heute schweben noch einige Fledermäuse geräuschlos durch die Lüfte und fangen die lästigen Mücken.

Nicht ganz so geräuschlos schleppt sich eine mächtige Meeresschildkröte durch den Sand in die Dünen. Sie ist zur Eiablage gekommen und sorgt heute für reichlich Nachwuchs unter den Green Turtles. 108 Eier hat sie in den feuchtwarmen Sand gelegt. Mit Schnaufen und letzten Kräften erreicht sie nach 2 Stunden wieder das Meer, ihren eigentlichen Lebensraum. Etwa 2 Monate später werden die jungen "Schildkrötenbabys" schlüpfen und, dank ihrer guten Navigation, kurze Zeit später den Weg in`s Meer recht schnell finden.


Hätten wir nur einen kleinen Teil dieses genialen Navigationssystems, würde uns die Rückfahrt vom "Ende der Welt" nach Bali viel leichter gelingen.......

Wir danken dem Team vom "Meru Betiri" Nationalpark für seine freundliche Unterstützung.

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Die Welt der Vulkane

Es ist kalt in 1850 m Höhe, auch wenn man fast am Äquator ist. Alex hat das Zelt längst verlassen, aber er zieht sich noch einmal den Schlafsack im Stehen übern und murmelt saukalt ist's!
Es wird dir gleich warm ruft Werner unser Tourleiter und wir folgen ihm auf dem Schwefeltrail, der uns bis zum Krater des Vulkans Ijen bringt. Die Sterne leuchten noch am südlichen Firmament und eine Stille begleitet uns auf einem Pfad durch den Bergurwald bis zu den armseeligen Hütten der Schwefelträger.
Nun beginnt sich der Himmel über der Insel Bali langsam in Rot zu tauchen. Im Gestrüpp beginnt es zu leben. Eine Mischung aus Vogelsang und Kreischen ist um uns die nächsten 2 Kilometer. Auch die Affen sind schon aufgewacht und warnen ihre Artgenossen durch laute Schreie. Vor langer Zeit haben Leoparden und Tiger hier in den Büschen gejagt, erzählt uns Werner, doch letztere sind ausgestorben, nur noch ein Leopardenpärchen wurde in letzter Zeit einige Kilometer entfernt am schwefelhaltigen Wasserfall gesichtet.

An einem Felsvorsprung müssen wir wieder in den "Gänsemarsch" wechseln, doch dann wird der Pfad wieder breiter und wir haben die erste tolle Aussicht auf den Vulkan Rauung und das Ijen Plateau. Ganz atemlos genießen wir diesen Blick auf die gigantische Landschaft nicht, denn nach 3 Kilometern bergauf ist unser Puls doch etwas gestiegen.

Längst haben die Sonnenstrahlen die kalte Luft erwärmt, wir ziehen unsere Jacken aus. Auch Alex trennt sich vom wärmenden Schlafsack, den er immer noch über den Kopf gestülpt hatte. Es ist nicht mehr weit, lächelt Werner, vielleicht noch 10 Minuten, dann haben wir den Rand des Vulkans erreicht.

Die ersten Schwefelträger kommen uns bereits entgegen. Trotz ihrer Last von 75 bis 100 Kilo begrüßen sie uns mit "Pagi" (guten Morgen) oder einem "Hallo" und fast jeder lächelt dabei. In Gummistiefeln, Badeschlappen oder gar barfuß tragen sie die leuchtend gelbe Last bis zur 3 Kilometer entfernten Basisstation.Was für ein kräftezehrender Job!
Nicht ganz so kräftezehrend sind die letzten Höhenmeter für uns bis zum Blick in den Krater, der uns aber den Atem stocken läßt. Fassungslos schauen wir in die von 200m hohen Felswänden umgebene Schwefelmine mit angrenzendem grünblauen Kratersee. Ab und zu dringen die Sonnestrahlen durch die geisterhaften Sulfurschwaden und lassen die Schwefelmine unwirklich gelborange wie einen Hexenkessel leuchten. Wir genießen die Aussicht und blicken noch einmal in die Ferne, denn ganz hinten am Horizont spuckt der Semeru ( 3700m) eine mehrere hundert Meter hohe Wolke aus Rauch und Asche aus dem Erdinneren aus. Gewalige Kräfte werden frei......, ein Augenblick, den wir nie vergessen werden!
Das ist nichts Ungewöhnliches erklärt uns Werner, denn die Insel Java wird von einem Feuergürtel durchzogen und außer den Vulkanen Ijen und Semeru gibt es noch 25 aktive Feuerberge auf dieser Insel.

Thaddi

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Der letzte Weg der Schwarzen Stiere

Die königliche Verbrennungszeremonie am 15. Juli in Ubud /Bali


Innerhalb einer Stunde wusste am Abend des 28. März ganz Ubud, dass Tjokorda Gde Agung Suyasa - das Oberhaupt der königlichen Familie- im Krankenhaus von Denpasar nach langer Krankheit verstorben war. Tausende harrten schweigend vor dem Palast, um dem Sarg des Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. 10 Tage vorher verstarb schon Tjokorda Gde Raka, ein Cousin. Dieser war gerade beigesetzt worden und seine Verbrennung für Anfang April angesetzt. Die Verbrennung eines direkten Sprosses der königlichen Familie erforderte allerdings weitaus mehr Vorbereitung. Priester legten den 15. Juli als Termin für das "penelobon", die große königliche Verbrennung fest. Der Verstorbene wurde einbalsamiert und im Totenturm des Palastes so aufgebahrt, als würde er schlafen. Symbolische Mahlzeiten wurden gereicht, Kaffee und Tee standen neben seiner Bahre, alltägliche Utensilien wie Kamm und Spiegel in Reichweite. Täglich kamen Menschen aus ganz Bali und benachbarten Inseln, um dem Toten ihren Respekt zu erweisen
Es wurde beschlossen, dass die sterblichen Überreste aller, die in den letzten Jahren verstorben waren, ihre letzte Reise zusammen im Gefolge ihres Oberhauptes antreten werden. Desak Raka, ein Zweitfrau von Tjokorda Gde Raka, die 2007 verstarb, sollte ihm ebenfalls folgen.
"Wird ein Mensch geboren, so stirbt ein Geist, stirbt ein Mensch wird ein Geist geboren." Balinesen glauben an den ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Wichtigste Voraussetzung für eine Wiedergeburt ist die Trennung der Seele von allem Irdischen, durch die Verbrennung der sterblichen Hülle. Der Status des Verstorbenen, bestimmt den Aufwand für diese Zeremonie. Das Oberhaupt der Königsfamilie von Ubud braucht dann eine der größten Zeremonie überhaupt.
Über Wochen war eine Strasse an der zentralen Palastkreuzung für die aufwendigen Vorbereitungen gesperrt. Hunderte von Handwerkern, Malern, Holzbildhauern aus ganz Bali arbeiteten auf den großen Tag hin. Innerhalb von sechs Wochen entstand im Zentrum von Ubud eine provisorische Totenstadt. Für den Transport der sterblichen Hüllen wurden gigantische "bade" -Transporttürme- errichtet. Der Größte war fast 30 Meter hoch und hatte ein Gewicht von 11 Tonnen. Für die Verbrennung selbst entstanden drei "lembuh", schwarze Stiere als Symbole des Königshauses. Der hohe Rang von Tjokorda Gde Agung Suyasa verlangt außerdem, das ihm eine "naga banda" eine Himmelsschlange auf der letzten Reise begleitet. Für 68 in jüngster Zeit Verstorbene wurde eine Allee aus kleinen " petak"- Totenhäusern errichtet, angefüllt mit filigranen Opfergaben der Familien. Die Tage gehörten den Handwerkern und Künstlern. In den Nächten wurde den Verstorbenen mit Tänzen und Opfer-Zeremonien gedacht.

      


Am Nachmittag des 13. Juli wurde in einer feierlichen Prozession die "Naga Banda"- Symbol des Koenigs, begleitet von einem de Schwarzen Stiere vom Tempel "Pura Dalem" zum Plast gebracht. Tausende von Balinesen, unter ihnen die höchsten Priester der Insel, nahmen daran teil. Doch war dies nur ein Vorgeschmack auf das Hauptereignis!
Am 15. wurde ich am frühen Morgen von Motorsägen geweckt. Die Bäume an der 1 km langen Prozessions-Strasse vom Palast zum Verbrennungsplatz mussten den gigantischen Transportschreinen weichen. Ab 8.00 war die Stromversorgung gesperrt, weil man alle quer verlaufenden Elektrizitätskabel abhängen musste. Kurz darauf wurde Ubud für den gesamten Verkehr gesperrt. Hektische Vorbereitungen im Zentrum. 68 phantastisch gestaltete, mythische Fabelwesen werden die 68 sterblichen Hüllen bei der Massenverbrennung ins Jenseits tragen. Sie stehen nun in Reih und Glied, um dem Schwarzen Stier von Desak Raka zu einem anderen Verbrennungsplatz zu folgen. 7000 Männer aus Ubud und Umgebung bereiteten sich darauf vor, die gewaltigen Symbole von Tod und Wiedergeburt über einen Kilometer weit zu tragen.
Gegen 11.00 senkte sich vorübergehend Stille über das Zentrum. Zusammen mit Ehrengästen aus aller Welt nimmt die Familie in einer privaten Zeremonie Abschied von den Verstorbenen. Undurchdringliche Menschenmassen vor dem Palast. Trotz der Mittagshitze sind alle Dächer selbst in angrenzenden Nebenstrassen überfüllt. Anfeuernde Rufe der Träger, werden über die Köpfe Zehntausender Zuschauer weiter getragen.

      


Ein Feuerwehrwagen sprengt die Strasse- drängt die Schaulustigen gleichzeitig zur Seite. Das Schauspiel nimmt seinen Lauf. Dutzende Gamelan-Orchester heizen Zuschauer und Akteure mit ekstatischen Rhythmen an. Davor die Witwe mit einem Bild des Verstorbenen. Es folgt eine Abordnung der Palastgarde und des Sultans von Yogyakarta, man ist verwandt seit Jahrhunderten. Wieder dröhnen Gamelans, hunderte festlich gekleideter Frauen balancieren Opfergaben auf ihren Köpfen, ein "who-is-who" der Balinesischen Oberschicht. Die Garde des Palastes von Ubud in ihren prächtigen Kostümen. Ein Junges Paar, auf zwei Sänften getragen, symbolisiert vergangene Macht und gegenwärtigen Einfluss des Königshauses. Dann gehört die Strasse den Stieren. Unter ekstatischen Rufen folgt der erste tonnenschwere Stier. Im Laufschritt auf den Schultern von Hundert Trägern wird er an jeder Straßenkreuzung um die eigene Achse gedreht, er schwankt manchmal bedrohlich. Alle paar Hundert Meter wechselt sich die Mannschaft ab. Gamelan und Schreie heizen die Atmosphäre weiter an. Der Stier des Tjokorda Suyasa naht, größer, noch prächtiger. Gamelan, anfeuernde Schreie, die Strasse kocht. Der erste Verbrennungsturm folgt. In fast 30 Meter Höhe begleitet jeweils der ganz in Gold gekleidete, älteste Sohn den Verstorbenen ein letztes Mal. "Naga Banda" die Himmelsschlange geleitet den Leichnam des Koenigs. Auf ihrem Podest die höchsten Priester der Insel, durch Meditation in Kontakt mit den Göttern... So hoch über dem Alltag der Menschen stehend, dass man sie nur an solchen Tagen zu Gesicht bekommt. Der Zug stockt weil sich einer der Flügel des Turmes in einem noch größeren Baum verfangen hat. Unter lautem Gebrüll, Trillerpfeifen, Gamelan wird er schließlich mit Verstärkung weiter gezerrt, geschoben, geschleppt. Das höchste Bauwerk das Ubud seit Jahrzehnten sah ist wieder frei.

      


Dann Zehntausende auf dem großen Platz vor dem "Pura Dalem", dem Unterweltstempel. Volksfest, erwartungsvolles Verharren, Andacht. Eine Balinesische Verbrennung ist alles zugleich immer auch ein Grund zur Freude, kehrt doch ein Familienmitglied zumindest vorübergehend zurück zu den Göttern. Die Stiere werden nacheinander auf ein hohes Podest gehoben. Über eine gewaltige Himmelstreppe werden die beiden Särge herunter getragen. Zahlreiche Zeremonien sollen sicher stellen, daß die Reise der Seelen ohne Komplikationen abläuft. Die in weiße Seide gehüllten Leichname werden in den Stieren platziert. Letzte Opfergaben werden gereicht. Nun der Moment der Himmelsschlange, die den Verbrennungs-Platz drei mal umkreist, Familie und Verstorbene segnet.
Die Sonne ist bereits versunken als die erste Flamme aufleuchtet. Die brennende "Naga Banda" geleitet die Seelen zu den Göttern. Im Nu stehen beide Stiere und die Schlange in hellen Flammen. Als der Mond über dem Tempel erscheint, bricht der erste Stier in sich zusammen. Grosse Gasdruckgebläse sorgen dafür, daß die Verbrennung schnell und vollständig erfolgt. In gewaltigen Funkenstürmen kehren die Seelen zweier großer Männer zurück zu den Göttern.
Zeitgleich, in einem weiteren spektakulären Schauspiel folgen am anderen Ende von Ubud die Seelen von 68 Verstorbenen unter Führung des Stieres der Grand Old Lady der Seele Ihres Koenigs...
I Wayan Sutra, ein begnadeter Maler und Holzschnitzer und ein guter Freund war an den Vorbereitungen von Anfang an beteiligt. "Ich war den Goettern noch nie so nahe wie in dieser Zeit, erfüllt mit Stolz und Demut."


"…während dieser Verbrennungsrituale empfinden die Balinesen größte Freude, nicht… Trauer, weil sie der Vollendung der heiligsten Pflicht dient, die Seelen der Toten zu erlösen." (Miguel Covarrubias, 1946)

Jürgen Posse

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